

Die Herkunft des Fastens ist auf christliche Traditionen zurückzuführen. Die den frühen Christen auferlegte, ausgesprochen lange Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag wurde für die Laien behoben und das Ritual beschränkte sich fortan auf die Klöster. Dort gingen nun die Mönche daran, den strengen Regeln auf menschliche Art die Härten zu nehmen und eifrig zu reformieren und verbessern. Wer schon für so lange Zeit nur trinken durfte, sollte wenigstens gute nahrhafte Getränke für sein Wohlbefinden bekommen, und so nahmen im bayrischen Raum die Klosterbrauereien ihren Aufschwung. Was aber so gut war, konnte nicht nur der Fastenzeit vorbehalten bleiben und so wurde das Bier das ganze Jahr über reichlich genossen. Für die harte Fastenzeit suchte man nach einem weiteren, speziellen Getränk: dem Starkbier.
Beschwingt und bestärkt von solchen Reformen befanden die Mönche später wohl, dass Fasten nur bedeuten könne, kein Fleisch mehr zu essen. Hochkalorische Mehlspeisen bereicherten alsbald die Tafeln der Brüder in diesen spärlichen Zeiten. Zu guter Letzt beschloss die Kirche, dass Fisch kein Fleisch sei, und so ruhigen Gewissens während der Fastenzeit genossen werden darf.
Die “frechste“ Reform der Fastenzeit setzte sich sogar über die Wissenschaft hinweg und verkündete, dass alles, was schwimmt, als Fisch zu betrachten sei, und so fühlten sich die Geistlichen berufen, sogar Biber zu essen. Somit war die Fastentradition bis auf einige Randerscheinungen abgeschafft. Verständlich, da eine solche Fastenzeit genau auf den Gegenpol zur ursprünglichen Fastentradition angekommen war: Die süßen Mehlspeisen verschlackten den Organismus, die Fleischorgien vergifteten das Gewebe, der Alkohol ruinierte Gehirn und Leber, und das Ergebnis, der übergewichtige geblähte, leicht benebelte und vielfach belastete Zivilisationsmensch war in seiner Überfülle das genaue Gegenteil des angestrebten gelassenen, spirituell erfüllten Menschen.