Restaurant & Szene GuideGewinnspielBlogNewsletterPresseArchivAdressenVideos

EIne klEIne EIergeschichte


Die Eier in der Fastenzeit waren nicht bloß Pasch- und Pachteier, sondern auch Schenkeier. Diese wurden, nachdem sie haltbar gemacht waren, mit unterschiedlichsten Techniken verziert, wobei sich einzelne Regionen durch spezifische Kunstfertigkeiten hervorhoben.
Die Eier waren bald nicht nur einfarbig, sondern wurden verziert, besprenkelt, ausgekratzt, beschrieben, beklebt, bemalt, ausgeblasen und gefüllt. Einzelne Landschaften haben unterschiedlichen Ostereierschmuck hervorgebracht. In Russland taucht man gekochte Eier in flüssigen Bienenwachs und legt sie dann in Farbbäder.
Vielleicht hat sich in dem schlicht roten Osterei, das in der griechischorthodoxen Kirche auch heute noch nach dem Ostergottesdienst überreicht wird, eine Urform des österlichen Schenk-Eies erhalten, das heute nicht mehr wegen seines Symbolgehaltes, sondern nur wegen seiner Form in allen denkbaren Materialien hergestellt und verzehrt wird. Bemalte Eier haben die Chinesen schon vor 5.000 Jahren zum Frühlingsanfang verschenkt. Es war für sie ein Symbol der Fruchtbarkeit, ebenso wie für die Ägypter und die Germanen. Das Schenken von Eiern zu Ostern durch Christen lässt sich schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in Armenien nachweisen. Hier war das Osterei kein Frühlingsopfer, diente nicht als Grund- und Bodenzins und war auch nicht das Ergebnis eines Eierverbotes in der vorösterlichen Fastenzeit. Die christlichen Ostereier symbolisieren das neue, übernatürliche Leben. 

 


Die Ei-Symbolik im Judentum

Das Ei spielt auch im Judentum eine symbolische Rolle. Brezel und Eier stehen sinnbildlich für den zyklischen und fortdauernden Charakter des Lebens. Eben deshalb werden sie bei jüdischen Trauermahlzeiten serviert. Zum Seder zu Passah wird ein Teller mit symbolischen Speisen auf den Tisch gestellt: Kräuter, Gemüse, Nüsse, Äpfel, Geflügelteile und ein hart gekochtes Ei mit Schale. Das Ei ist ein Symbol für das vorschriftsmäßige Festopfer der Zeit, zu der in Jerusalem der Tempel stand. Das Ei symbolisiert verhindertes Leben und ist damit Zeichen der Trauer. Zugleich ist es Symbol des Lebens und der Hoffnung, das lehrt, die Hoffnung nicht aufzugeben, selbst wenn die Realität der Hoffnung zu widersprechen scheint. Die runde Form drückt die Hoffnung auf Wiederkehr ins Leben aus, wünscht, dass das neue Jahr “vollständig” sei, nicht von einer Tragödie unterbrochen.

 


Das Ei als Machtsymbol


Hatte man im 18. Jahrhundert noch Ostereierbildchen als Freundschaftssymbole untereinander ausgetauscht - kleine Klappbildchen, die, geöffnet, den Auferstandenen oder das Lamm Gottes in einem zerbrochenen Ei zeigten - entwickelte sich das Osterei in Frankreich auch zur amourösen Kunst: König Ludwig XV z. B. beglückte seine Mätresse Madame Marie-Jeanne, Comtesse du Barry, mit einem Osterei, das sich öffnen ließ und anzüglich einen Cupido zeigte. Zar Alexander III  schließlich steigerte eine in adeligen Kreisen Russlands übliche Praxis: Hatte man sich dort untereinander kostbare aus Edelsteinen und Porzellan hergestellte Eier, die mit Rubinen und Diamanten besetzt waren, verschenkt, engagierte er einen Goldschmied, der variantenreiche, höchst bestaunte Spielereien aus kostbarsten Materialien herstellte. Der zum Hofjuwelier avancierte Carl Fabergé zauberte en miniature den Landsitz der Romanows oder das Reiterstandbild Peter des Großen in ein Ei. Die "imperialen Ostereier", wie man die Fabergé-Eier bald nannte, wurden so berühmt, dass sie 1900 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt wurden. Die Hohenzollern ließen sich durch die Fabergé-Eier zu Porzellaneiern anregen, die - versehen mit Porträts Friedrich II. und des Berliner Schlosses - gefüllt mit Weihwasser oder Schnaps, verschlossen durch ein Krönchen, verschenkt wurden. Der Sinn dieser Geschenke hatte nichts mehr dem österlichen Auferstehungsglauben zu tun.


Das etwas andere Ei


Unter den Ostereiern galt eines als etwas  ganz Besonders: das Antlassei.
Gründonnerstag hieß auch Antlasstag, ein Wort, das von antlâz, Ablass, Nachlass von Sündenstrafe, herkommt. Am Gründonnerstag wurden früher die öffentlichen Büßer, also jene, die öffentlich zu einer Kirchenstrafe verurteilt worden waren, wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Die an Gründonnerstag gelegten Eier erhielten so ihre Namensnennung. Sie galten als besonders heilkräftig und wurden für die Eier- und Speisenweihe aufgehoben. Als besonders wirkmächtig galten auch die Kräuter, die an Gründonnerstag gesammelt wurden. Zusammen mit Blumen wurden sie zum Antlasskranz geflochten. Diesen Kranz bewahrte man oft das ganze Jahr über auf und steckte ihn - zusammen mit einem Antlass-Ei - in den Erntekranz.