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Hyperhidrose - Übermässiges Schwitzen, ein aktueller Überblick


Interview mit  Dr. Markus Kristen, Facharzt für Dermatologie, spezialisiert auf ambulante Eingriffe in Lokalanästhesie:

Was versteht man unter Übermässigem Schwitzen ?
Die thermoregulatorische Funktion des Schwitzens ist bekannt. Der sympathische Anteil des vegetativen Nervensystems steuert die Schweissproduktion. Personen, die übermässig schwitzen, haben eine Störung dieser Steuerung, was sich in entweder lokalisierter oder generalisierter Überfunktion ekkriner Schweissdrüsen äußert

Generalisierte Hyperhidrosis muss mittels Durchuntersuchung abgeklärt werden( Stoffwechselstörungen, endokrinologische Einflüsse oder neurologische Erkrankungen ).


Welche Form der Hyperhidrose dominiert den Praxisalltag ?
In der dermatologischen Praxis ist die idiopathische lokalisierte Hyperhidrosis (axillär,  palmar oderplantar) ein oft gesehenes Krankheitsbild. Häufiger betroffen ist das männliche Geschlecht, oft besteht familiäre Disposition, das Problem beginnt meist in der Kindheit oder Pubertät und  die Reizschwelle für emotional ausgelöstes Schwitzen(stressbedingt) ist erniedrigt.

Bei jungen Erwachsenen ergeben sich in weiterer Folge soziale Isolation, berufliche Schwierigkeiten und  Begünstigung  mykotischer, bakterieller und viraler Infektionen.


Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es ?
Glücklicherweise ist  in den letzten Jahren ein breites therapeutisches Spektrum entstanden :

Für lokale Therapien milderer Formen stehen  Antiperspirantien, Aluminiumsalze und gerbsäurehaltige Externa zur Verfügung.  Systemische Therapie bei  generalisierten Formen( Atropinderivate oder  Scopolaminsalze ) werden wegen unangenehmer Nebenwirkungen ( Mundtrockenheit, Tachykardie und Mydriasis ) immer seltener verordnet.

Nach ärztlicher Anleitung kann die Leitungswasser - Iontophorese  palmoplantar als Selbstbehandlung  gute Erfolge bringen, diese ist aber täglich anzuwenden und mit grossem Zeitaufwand verbunden. Ausserdem ist im Achselbereich  diese Therapie nicht durchführbar.

Botulinum Toxin A
Eine sehr wirkungsvolle, schnell durchführbare Therapie stellt die intradermale Injektion von Botulinum Toxin A dar. Axillär unproblematisch, wegen der Schmerzhaftigkeit palmoplantar immer in Bier`scher Sperre. Nach eigenen Beobachtungen  wird nach mehrmaliger Injektion offensichtlich die Wirksamkeit länger und auch die Schweißsekretion deutlich geringer. Nachteil sind der hohe Preis und erforderliche Wiederholungsbehandlungen.


Operation:
Transthorakale Sympathektomie: Dieser Eingriff in Vollnarkose  hat sehr guten und auch langfristigen  Erfolg palmar, die axillären Formen sind interessanterweise nicht immer zufriedenstellend  und zu oft gar  nicht zu bessern. Überdies wird von Betroffenen das kompensatorische Schwitzen ( in bis zu 20 % post OP ) als inakzeptabel beschrieben.

Suctionscürettage :
Durch die Entwicklung einer speziellen Kanüle ( Fatemi ), die die Eigenschaften einer Liposuktionskanüle mit denen einer scharfen Cürette vereint, sind die Resultate signifikant zufriedenstellender im Vergleich zur herkömmlichen Cürettage geworden.

Auch in ausschliesslich lokaler Tumeszenz - Anästhesie ist ein komplett schmerzfreies Operieren  möglich. Die Idealvorstellung einer kompletten Entfernung aller ekkrinen Glandulae kann bedauerlicherweise nicht erreicht werden. Selbst bei entsprechend aggressivem Vorgehen und  Ausdünnung der Haut verbleiben wenige restliche Drüsen in situ. Die Restfunktion dieser Drüsen  muss der Patient als einen Zustand  “ normalen Schwitzens”  nach der OP akzeptieren. Wird zu wenig Gewebe aspiriert und nicht forciert genug  gearbeitet ( grosse Kraftanstrengung erforderlich !) dann ist der Erfolg nicht gegeben. 

Wird andererseits die Haut zu sehr ausgedünnt, besteht die grosse Gefahr von Nekrosen.  Es ist also viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung erforderlich, um zufriedene und glückliche Patienten im Verlauf kontrollieren zu können.

Welche Therapieform wird von Ihnen bevorzugt ?
Die Saugcürettage in Tumeszenz - Lokalanästhesie stellt die Therapie der Wahl bei axillärer Hyperhidrosis dar. Sie ist bei richtiger Technik ein sicheres, einfaches, schnelles und unkompliziertes  Verfahren mit geringen Nebenwirkungen  und hoher Erfolgsrate. Die Krankenstandsdauer ist auf den Tag der OP beschränkt, post OP muss eine Woche lang eine Kompressionsweste getragen werden.

Formen der Hyperhidrose haben als Mittel der Wahl  zahlreichen Betroffenen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität  beschert.

Dr. Markus Kristen
Ordination  für  ästhetisch - operative  Dermatologie
Lindengasse 37  und  
1070 Wien

Kadischenallee 22 - 24
9504 Warmbad Villach
markus.kristen@liposuktion.com
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